„In der Philosophie ist also alles, was nicht Dunst ist, Grammatik [und andersrum].“
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| "Einladung zur Unterschreitung" |
Gewöhnlich durch den Alltag taumelnd fallen einem kaum auf die fahleren Gefilde halbbewussten Tumults, die sich zwischen die durchsemantisierten Objektbereiche schummeln. Selbst grundlegend dekonzentriert behält meist das Wachheitsmodul die Oberhand, suggeriert trotz blendenden Sonneneinfalls, schief leuchtender Schatten am Turm, röstlichem Gekiefer, schief übereinandergelagerter Seh-Eindrücke wegen zu geringer Objektdistanz, die Kontinuität des Ich-Jetzt-Hier, dem nichts unter der Sonne mal zum Beispiel zumindestens merkwürdig wird. Die Grundkonzentration, der immer mitlaufende "Rest von Subjektivität" (Deleuze/Guattari), hält die Eindrücke auf durchgezogener Sympathielinie, in deren Fluchtpunkt das latente "Ich denke" - meist nicht überdeutlich, aber immerhin doch - vor sich hin glimmt.
Normalitätsunterstellung und mittelmäßige Sinnerwartung stabilisieren den alltäglichen Weltraum auf ein Niveau einigermaßen interessanter Gewöhnlichkeit.
Wer aus diesem Spektakel der Normalität ausbrechen will, kann das auf mindestens zweierlei Weisen tun: Durch Austritt aus oder durch Eingang in die Szene.
Das Zurücktreten, der
Austritt aus der Szene wird dabei oft mit der vertikalen Bewegungsrichtung assoziiert: Aufsteigen, sich über-/entheben, nach ganz oben gehen, über den Dingen stehen, sich selbst beobachten etc. Wer so vor sich selbst zu sich selbst etwa "Ich" zu sagen beginnt, macht in diese Richtung schon die ersten Schritte: Virtualisierung deiner Seinsinsel, Erweckung des inneren, nicht-rasenden Reporters. Die Berichterstattung hat's inzwischen auch gelernt, sagt nicht mehr: "Auf dem Parteitag demonstrierte die SPD Geschlossenheit" sondern: "Auf dem Partei der SPD
sollte Geschlossenheit demonstriert werden." Natürlich ist das noch nicht besonders spektakulär, soll aber anzeigen, dass hier einer die Kunst des perspektivischen Aufstiegs schon zu beherrschen gelernt hat. Darstellung von Aufmerksamkeit und Konzentration bleibt in dieser Richtung trotz Distanznahme möglich, der Beobachter nächsthöherer Ordnung beobachtet immer eine Spur
schärfer, einen Tick
besser. "Ick bün all dor."
Anders sieht das beim
Eingang in die Szene aus. Das Eingehen wird weniger häufig als Möglichkeit der Auflösung alltäglicher Verstrickung aufgefasst, weil es nicht, wie das Höherbeobachten, in die Richtung der Bewusstseinssteigerung zu weisen scheint.
Eher im Gegenteil, Eingang in den Dunst heißt: nebulöser Flirt im Diffusionsmilieu, dezentrierende Brechung des Bewusstseinsstrahls am Prisma latenter Unschärfen, da lässt sich nichts mehr einfach so klar und deutlich heraussagen; und das Delirium winkt und schäumt als fröhliche Gefahr am Rande des Weltmunds. Das Hineingehen ist eine Art der Desubjektivierung, die eher an archaischere Formen weisen Schweigens erinnert. Hier wird etwa ein verbergendes Lächeln als wesentlicher Grundbezug zum Weltgeschehen auf einmal wieder plausibel, der ansässige Bauer schüttelt einmal müde mit dem Kopf
und wir bleiben auf einmal für immer in der Provinz.
Der Blick impliziert sich hier auf einen zerstreuten Pfad, hinter dem die Möglichkeit einer Beobachtung vorerster Ordnung sichtbar wird, die Möglichkeit eines letzten, vorersten Blicks.
"Mithin, sagte ich ein wenig zerstreut, müßten wir
wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld
zurückzufallen? Allerdings, antwortete er, das ist das letzte Kapitel
von der Geschichte der Welt."